Vom Weinvergnügen unterm Schirm

Von Petra Halamoda (Heilbronner Stimme, 22. August 2005)

Zusammenrücken mussten tausende Gäste beim 29. Original Erlenbacher Weinfest. Der Regen am Wochenende machte die überdachten Plätze zum begehrten Gut. Trotzdem zeigte sich Musikvereinsvorsitzender Klaus Varga zufrieden: Der Besuch war angesichts des Wetters in Ordnung.
Am Samstag um 17 Uhr stimmt der Blick gen Himmel noch hoffnungsfroh. Josef und Inge Mossmaier aus Neckarsulm haben allerdings sowieso nur Augen für Michaela Kern, die württembergische Weinprinzessin. Unsere Weinberge sind direkt neben denen ihrer Eltern , verraten die beiden. Gleich wird ihre Nachbarin die Weinfans begrüßen, die sich an Lemberger, Muskateller und Samtrot gütlich tun und jetzt schon fachsimpeln, welcher der guten Tropfen denn nun der beste ist. Das ganze Dorf hilft mit bei dem Fest, das der Musikverein Erlenbach federführend organisiert. Für die richtige Grundlage zu den 150 ausgeschenkten Weinen sorgt unter anderem Lotte Keicher. Sie ist eine der 120 Backfrauen, die die Gäste mit knusprigem Zwiebel- und Peterlingkuchen verwöhnen, und ihres Zeichens Herrin über den Teig. Gerade gönnt sie sich eine Verschnaufpause auf der Bank, hält fürsorglich die Hand von Martha Schmitt (87 Jahre). Ich bin die Älteste , sagt diese voller Stolz. Und: Das Weinfest ist das Höchste. Klar, dass sie aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß, wie sich der Genießer die Köstlichkeiten am besten schmecken lässt. Erst der Peterling - dann der Zwiebelkuchen , flüstert sie verschwörerisch. Der ist nämlich am besten.
Drinnen in der Küche herrscht Betriebsamkeit. Iris Rötlich steht über einen Bottich geschmälzte Zwiebeln gebeugt, lässt einen Eimer Schmand auf die Masse gleiten, dann kommt kräftig Kümmel darüber, bevor sie mit den Armen ellenbogentief in das Gemisch taucht und alles vermengt. Eier und Salz dürfen nicht fehlen. Wer will probieren? Fünf testfreudige Zeigefinger fahren in die Zwiebelmasse, fünf kundige Erlenbacherinnen geben ihr backfrauliches Urteil ab.
Wie jedes Jahr sind die Kuchen der Renner. Lang ist die Schlange vor den Backhäusern, sehnsüchtig linsen die Hungrigen in die Küche, schnuppern den Duft des frischen Teigs. Auch Jürgen Hering und Reinhold Baumgarten sind Fans. Dass sie mit ihrem hessischen Zungenschlag aus Erlenbach kommen, ist allerdings wirklich kaum zu glauben. Doch, doch beteuern sie und zeigen schelmisch ihren Personalausweis: Aus Erlenbach am Main. Sie nehmen die Neckartaler Musikanten beim Wort, die wegen des Regens aus Rücksicht auf ihre empfindlichen Instrumente nicht spielen können, aber trotzdem viel Vergnügen unterm Schirm wünschen. Dass dieses Vergnügen ungestört verläuft, dafür sorgt erstmals Polizeipräsenz.
Das schafft ein beruhigendes Gefühl, auch wenn wir bislang noch keine Probleme hatten , so Klaus Varga mit Blick auf Schlägereien bei anderen Festen in den vergangenen Monaten.
Heute geht das Weinfest zu Ende. Von 11 bis 23 Uhr wird an den Ständen ausgeschenkt.

Backfrauen

Vier Tage Knochenarbeit, die ganz schön in den Rücken geht, bedeutet das Weinfest für die heimlichen Heldinnen des Spektakels: die Backfrauen. Wir haben's aber immer lustig, sind sie sich einig. (Foto: Ulrike Kugler)

Weinprinzessin

Weinprinzessin Michaela Kern begrüßt die Besucher. (Foto: Ulrike Kugler)



Die Erlenbacher feiern bis Montag

Der Auftakt des 29. Erlenbacher Weinfestes war am Freitag verregnet

Von Christoph Schmidt (Echo, 21. August 2005)

Dieser Auftakt war nicht zu überhören: Mit drei weithin schallenden Böllerschüssen wurde am Freitagabend kurz nach 18 Uhr das 29. "Original Erlenbacher Weinfest" eröffnet, das noch bis Montag dauert. Der Musikverein Erlenbach, der das Weinfest ausrichtet, spielte zur Eröffnung natürlich auf. Musikvereins-Vorsitzender Klaus Varga und Erlenbachs Bürgermeister Karl Alber verbreiteten zum offiziellen Auftakt gute Laune. Doch weder lautes Geböller oder melodiöse Klänge noch die wohlgewählten Begrüßungsworte konnten den Regenschauer aufhalten, der eine Stunde nach Eröffnung über das Weinfest hereinbrach.
"Das mit dem Schirmherren brauchen wir hoffentlich nicht wörtlich zu nehmen", sagte Klaus Alber - vergeblich. Er lud zu vier Tagen Wein, Gaumenfreuden und Gemütlichkeit ein. Alber: "Mit 15 Kapellen ist unser Weinfest ja fast schon ein Blasmusik-Festival." Als Ehrengäste begrüßte er: Thomas Strobl (Unterländer Bundestagsabgeordneter, CDU), die Landtagsabgeordneten Dr. Bernhard Lasotta (CDU) und Reinhold Gall (SPD), Egon Susset (Unterländer Bundestagsabgeordneter a.D.). Als "Fan unseres Weinfestes" begrüßte Alber den Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach: "Ihn habe ich auch schon privat öfter hier gesehen." Aus der Nachbargemeinde Neckarsulm war Oberbürgermeister Volker Blust mit Ehefrau Carmen gekommen sowie weitere Bürgermeister aus dem Landkreis. Ebenfalls da: Dr. Erhard Klotz, Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung, Hermann Hohl, der Präsident des Württembergischen Weinbauverbands, und Josip Juratovic, Kandidat der SPD für den Bundestag.
Am heutigen Sonntag geht das Erlenbacher Weinfest von 10 bis 23 Uhr, am Montag von 11 bis 23 Uhr. Am Montag findet um 14.30 Uhr der Buttenlauf für Kinder statt, und für ältere Weinfest-Besucher gibt's ab 17 Uhr Rabatte. Am Abend wird im Festzelt die Erlenbacher Zwiebelkönigin gewählt.


Eröffnung am Freitag

Prost! Mit einem Riesenglas Rotwein trinkt Erlenbachs Bürgermeister Karl Alber auf die Eröffnung des 29. Erlenbacher Weinfestes. Neben ihm Klaus Varga, Vorsitzender des Musikvereins Erlenbach, der das Weinfest veranstaltet. (Foto: Christoph Schmidt)