Am Fuße des Kaybergs gibt es nur zwei Jahreszeiten

Von Sabine Friedrich (Heilbronner Stimme, 21.August 2006)

- 15 000 bis 20 000 Besucher strömen zum 30. Original Erlenbacher Weinfest - Franzosen schwärmen in den höchsten Tönen von der Atmosphäre -

Erlenbach ist wieder in sein Festtagskleid geschlüpft. Leuchtend rote Geranien und bunte Blumen-Bouquets schmücken Fassaden und Laubendächer. Während am Kayberg sich die Trauben färben, lassen sich an seinem Fuße die Besucher des viertägigen Weinfestes die edle Ausbeute der Jahrgänge 2004 und 2005 munden.
Uff. Martha Schmitt braucht eine prickelnde Erfrischung. Sie ist im wörtliche Sinne Springerin in einem der beiden Backhäuser. Geschirr spülen, Kaffee kochen und süße Kuchen backen sind Schmitts Aufgaben, damit die rund 60 Teigkneterinnen, Zwiebelschälerinnen und Petersilien-Rupferinnen bei Kräften bleiben. Mit ihren „zwei mal 44 Jahren“ will sie auch nach drei Jahrzehnten beim Weinfest nicht fehlen. Einst ist die quirlige, kleine Frau zur Zwiebelkönigin gekürt worden. „Das ist eine Ehre. Da kriegen Sie einen Zwiebelkranz, einen Umhang und ein Zepter.“
Für Nicole Hildebrandt ist das noch ein langer Weg. Die 24-Jährige muss sich erst hoch arbeiten. „Peterling zopfen“ macht ihr trotzdem Spaß. So wie ihrer Freundin Katrin Brückner aus Hildebrandts thüringischer Heimat, die sich dafür extra Urlaub genommen hat.
Monika Sahm und Volker Schlecht aus Heilbronn kommen schon am Samstagnachmittag, damit sie von den Bauernkuchen-Köstlichkeiten so viel essen können, wie sie wollen. Am Abend sind ihnen die Schlangen an den Verkaufsständen zu lang. Radler, Wanderer und Nordic Walker mischen sich unter das Weinfestvölkchen aus nah und fern. Sie bleiben verschont von dem abendlichen Wolkenbruch. Kurz untergestellt, dann geht es fröhlich weiter. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, ist Klaus Varga, Chef des Musikvereins, der federführend die Veranstaltung organisiert, erleichter. 15 000 bis 20 000 Besucher an den beiden ersten Tagen, damit ist er „sehr zufrieden“. Ganz begeistert von der Stimmung ist die Württembergische Weinkönigin Elisabeth Berthold. „Hier trifft man Leute, die man ewig nicht mehr gesehen hat“, sagt die Neckarsulmerin.
„Die Blumen, die Atmosphäre, die Musik, der Rosé, der Zwiebelkuchen...“: André Lainard schwärmt wort- und gestenreich von dem Gesamtkunstwerk Weinfest. Der französische Bürgermeister führt die 55-köpfige Delegation aus der Partnerstadt Seiches-sur-le-Loir an, die ebenso viel Spaß hat, wie die rund 800 Helfer. Natürlich feiern die nach dem Arbeitseinsatz mit, schließlich gilt in ihrem Heimatort eine andere Zeitrechnung: „Es gibt hier nur zwei Jahreszeiten“, klärt Jürgen Hofmann vom Tennisclub auf. „Vor und nach dem Weinfest.“ Heute, Montag, ist von 11 bis 23 Uhr der Ausklang.

Marktplatz

Rund um den Brunnen auf dem Marktplatz füllen sich am Samstagnachmittag die Stehtische und Bänke. Da herrscht noch Sonnenschein. Der Wolkenbruch am Abend sorgt nur für eine kurze Verschnaufpause.
(Foto: Ulrike Kugler)



30 Jahre Erlenbacher Weinfest

Ein Extra-Marsch zum Geburtstag (Heilbronner Stimme, 21. August 2006)

30 Jahre Erlenbacher Weinfest, das ist Klaus Varga, dem Vorsitzenden des Musikvereins, ein dickes Lob wert: „Das zeigt den großen Teamgeist vieler Helfer.“ 23 Vereine sorgen dafür, dass tausende von Besuchern in heimeliger Atmosphäre harmonische Tage erleben. Zum runden Geburtstag gibt’s eine Uraufführung. MV-Dirigent Marco Rogalski hat seinen „Erlenbacher Weinfestmarsch“ Eberhard Keicher gewidmet, mit seinen 72 Jahren immer noch ein Aktivposten der Veranstaltung. Wie Zwiebel- und Peterlingkuchen ist auch die Musikunterhaltung durch 16 Kapellen und zwei Chöre ein Markenzeichen der Festtage am Fuße des Kaybergs. (bif)