Weinzähne feiern unterm Kayberg
Von Wolfgang Müller (Heilbronner Stimme, 19. August 2007)
Erlenbach - "Es ist einmalig. Ein Höhepunkt im Unterland. Und deswegen bin ich jedes Jahr hier." Gemeint ist das Original Erlenbacher Weinfest, und die Worte kommen aus berufenem Munde: Hermann Hohl, seines Zeichens Württembergischer Weinpräsident,stößt auch bei der 31. Auflage des größten Weinfestes im Landkreis Heilbronn mit Bürgermeister Karl Alber und Cheforganisator Klaus Varga an. Nebenan spielt die Blaskapelle aus dem Illerbergtal flotte Rhythmen. Der Rebensaft fließt in Strömen, der Himmel ist strahlend blau, und die ersten Gäste tanzen auf den Tischen vor dem Brunnen auf dem Marktplatz. Es ist Samstagabend kurz vor halb sechs. Warten auf die Württembergische Weinkönigin.
"Wir haben Weinfestwetter", freut sich Varga. Nachmittags nicht zu heiß. Am Abend etwas kühl. "Dann trinken die Gäste lieber Wein statt Bier", erklärt der Vorsitzende des Erlenbacher Musikvereins. "Weißherbst läuft gut", sagt Klaus Kerner vom TSV-Stand. Weißwein Riesling, Kabinett trocken. Auch Weißer Burgunder wird gut angenommen. Rotwein geht tagsüber nicht so gut. "Wenn es warm ist, wollen die Leute etwas Erfrischendes", sagt Kerner.
Nebenan schwärmen Helma Ruboks und ihre Töchtern Karin und Susanne von den Peterlingen, die sie sich haben schmecken lassen. "Man meint ja immer, man könne ihn nicht mehr besser machen", sagt Susanne Ruboks-Thelo aus Eberstadt. "Aber diesmal ist er buttrig zart wie nie."
Inzwischen ist Weinkönigin Miriam Heckel eingetroffen. Gerade noch hatte die Stockheimerin ein Weinfest in Diefenbach an der badischen Grenze eröffnet. Für Erlenbach nimmt sie sich den ganzen Abend Zeit. "Es ist so heimelig und romantisch. Hier bringt der Wein die Menschen zusammen, lässt sie trinken und Freude haben." Für ihre königliche Hoheit gilt das nicht nur wegen der schön geschmückten Buden, der Fachwerkkulisse und der malerischen Gässchen. In Erlenbach hat Miriam I. ihr Herz verloren. Ihr Schwiegervater in spe findet das ganz toll: "Ich bin mächtig stolz. Auf jeden Fall", sagt Erwin Kerner, der auch stellvertretender Vorsitzender der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg ist.
Säckeweise Zwiebeln schälen und schneiden, dazu eimerweise Peterling rupfen und waschen. Die über 100 Frauen in den Backstuben leisten ganze Arbeit. Tränen in den Augen? Bei Irmgard Löhe gibt es das längst nicht mehr. "Ich mach das jetzt schon 31 Jahre, da bin ich abgehärtet", sagt die Zwiebelfrau der ersten Stunde. Stundenlang arbeitet sie Hand in Hand mit den einzigen beiden Sieglinden (Krebs und Albert) im Ort. Und damit die Moral in der Truppe den ganzen Tag über stimmt, bringt die 89-jährige Martha Schmitt als Mutter der Kompanie immer wieder Kaffee und süßen Kuchen vorbei.
Auch in den Abendstunden schmeckt der Wein vorzüglich. |
Insgesamt 16 Blaskapellen unterhalten die Besucher mit flotten Rhythmen. |
Vier Tage lang fließt der Wein in Strömen
Von Wolfgang Müller (Heilbronner Stimme, 20. August 2007)
Erlenbach - Kempten, Neu-Ulm, München und Erding: Vier Tage im August haben ganze Busladungen aus dem Süden der Republik ein
Ziel: das Original Erlenbacher Weinfest. Zehntausende Besucher feiern auch bei der 31. Auflage des größten Weinfestes im
Unterland ausgelassen unterm Kayberg.
Für Bürgermeister und Schirmherr Karl Alber wurde es gleich am ersten Abend etwas später. "Die Buden hatten längst geschlossen",
sagt das Gemeindeoberhaupt, das die Gelegenheit nutzte, und seinen Freunden aus Tübingen den Ort von seiner schönsten Seite
zeigte.
16 Blaskapellen unterhalten die Gäste auf dem Marktplatz und im Weinzelt hinter dem Rathaus. "Manche Musikvereine verbinden
ihren Ausflug mit einem Auftritt bei uns", sagt Peter Glaser, Schriftführer des Musikvereins Erlenbach. Das Interesse bei den
Kapellen ist groß. "Wo kann man sich schon so einem Publikum präsentieren?", fragt Glaser.
Antoinette Hofmann trinkt erst mal einen Justinus Kerner. Zur Erholung. Fünf Stunden lang hatte die Erlenbacherin im oberen
Backhaus Peterlinge gewaschen. Zehn Körbe à fünf Kilogramm. Das macht unter dem Strich einen Zentner.
Als Messe für heimische Produkte hatte Cheforganisator Klaus Varga das Weinfest bezeichnet. Für die über 120 Weine und 14
Sekte gilt das uneingeschränkt. Und für den Zwiebelkuchen? Nicht ganz. Denn das riesige tränentreibende Gemüse kommt aus
Spanien. Den über 100 Zwiebelfrauen ist das gerade recht. „Die sind nicht so scharf“, sind sie sich einig.
Und wer dennoch weint, hat einen Trost. "Nach einer halben Stunde ist es vorbei", sagt Angelika Truckses.
Am heutigen Montag geht es um 11 Uhr weiter. Gegen 14.30 Uhr treten die Kinder zum Buttenlauf an.
Weinkönigin Miriam Heckel nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Römer. Sehr zur Freude von Organisator Klaus Varga (links) und Bürgermeister Karl Alber. (Foto: Andreas Veigel) |
Unverzichtbar im Hintergrund: Die Zwiebelfrauen gehören seit 31 Jahren zum Erlenbacher Weinfest wie die Reben zum Kayberg. (Foto: Andreas Veigel) |