Weinzähne folgen wieder dem Ruf des Kaybergs
Von Wolfgang Müller (Heilbronner Stimme, 16. August 2008)
Erlenbach - Nach den Böllerschüssen des Neckarsulmer Schützenvereins haben Bürgermeister Karl Alber und Cheforganisator Klaus Varga am Freitagabend fast pünktlich um 18 Uhr das 32. Original Erlenbacher Weinfest mit einem kräftigen Schluck aus dem Römer eröffnet.
„Alles ist bestens bestellt und gerichtet“, rief Karl Alber den Gästen zu. Bis Montagabend ist die Sulmtalgemeinde einmal mehr das Mekka zehntausender Weinzähne aus dem Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland. Bis zu 40 000 Besucher erwarten die Organisatoren.
Trotz leichten Regens waren bereits zum Auftakt des größten Weinfestes im Landkreis Heilbronn viele Freunde edler Tropfen dem Ruf des Kaybergs gefolgt, darunter auch zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. „Das Besondere an diesem Fest ist der gute Wein und die gemütliche Kulisse“, sagte Neckarsulms scheidender OB Volker Blust.
Vier Tage lang können die Besucher über 120 verschiedene Sorten Wein und 14 Sorten Sekt probieren. Frischer Zwiebelkuchen und würzige Peterlinge sorgen zudem für reichlich Gaumenfreuden. Die Bauernkuchen werden wie immer nach traditioneller Art in zwei Backhäusern zubereitet. Tagelang wurden die Öfen dafür auf Betriebstemperatur gebracht. Über 120 Frauen schneiden zentnerweise Zwiebeln und rupfen haufenweise Petersilie.
Budenzauber, malerische Fachwerkgassen sowie 15 Blaskapellen und ein Gesangverein sorgen über alle vier Festtage hinweg für die besondere Erlenbacher Weinfestatmosphäre und gute Unterhaltung.
Ein besonderer Höhepunkt ist der Besuch der württembergischen Weinkönigin am Samstag gegen 17 Uhr.
Edle Tropfen Mit einem kräftigen Schluck ausdemRömer eröffneten Bürgermeister Karl Alber (links) und Musikvereinsvorsitzender Klaus VargaamFreitagabend das 32. Original Erlenbacher Weinfest. Zehntausende Besucher genießen bis Montagabend edle Tropfen, Zwiebelkuchen, Budenzauber und Blasmusik. |
Weinzähne strahlen mit Sonne um die Wette
Von Wolfgang Müller (Heilbronner Stimme, 18. August 2008)
Arbeit, Wein, Gesang“ – auch bei seiner 32. Auflage ist das Motto des Original Erlenbacher Weinfestes übers Wochenende voll und ganz aufgegangen. „Petrus ist einer von uns“, sagt Eberhard Keicher, Urgestein und Mann für alle Fälle beim Musikverein Erlenbach. 25 Grad und blauer Himmel. Für Cheforganisator Klaus Varga Grund genug, mit der Sonne um die Wette zu strahlen. Seit Tagen hat der Vorsitzende des Musikvereins Erlenbach den Wetterdienst fest im Blick – und der versprach reichlich Nass von oben. So aber pilgerten die Weinzähne einmal mehr scharenweise in die Sulmtalgemeinde am Fuße des Kaybergs.
Höchste Zeit für Mirjam Kleinknecht, die Weinbaugemeinde kennenzulernen. Denn am Samstag ist die württembergische Weinkönigin aus Schwaigern zum ersten Mal Gast auf dem größten Weinfest im Landkreis Heilbronn. „Aber bestimmt nicht zum letzten Mal. Hier zu sein ist Ehrensache“, sagt die 21-Jährige. Zum Auftakt trinkt sie einen Riesling-Brut-Sekt. „Weil es heute sehr warm ist.“ Derweil fließt rund um den Marktplatz der Rebensaft in Strömen. „Grauer Burgunder geht besonders gut“, sagt Patricia Nossol und schenkt das nächste Zehntele aus. Der Lemberger weiß gekeltert ist am Samstagnachmittag sogar schon ausverkauft.
Weißherbst und Lemberger sind die Favoriten von Wilhelm „Bill“ Schaufelberger. Der 77-Jährige hatte wohl die weiteste Anreise zum Weinfest. Im Sommer wohnt er nahe Toronto in Kanada. Die Wintermonate spielt er Golf in Florida. „Ich fühle mich hier wie zuhause“, sagt Schaufelberger, der als 20-Jähriger nach Kanada ausgewandert ist, dem Wein aber bis heute verbunden blieb. Während seines Aufenthaltes wohnt er „bei meinem Freund Karl“. Gemeint ist Bürgermeister Alber, der Bill so lange vom Weinfest vorschwärmte, bis er gekommen ist.
In einer halben Stunde gibt es im oberen Backhaus den nächsten Zwiebelkuchen. Frühzeitig anstehen ist Pflicht. Weil die Schlange die halbe Gasse hinaufreicht. Auch im unteren Backhaus gehen Zwiebelkuchen und Peterlinge serienweise über den Tresen. Ute, Tina und Regina haben alle Hände voll zu tun. Rund 50 Kuchen verkaufen sie pro Stunde. Das sind alle neun Sekunden ein Stückchen. Damit die gut bestückt sind, schneiden mehr als 120 Frauen Zwiebeln und rupfen Petersilie. Unter der Regie von Martha Schmitt. Die 90-Jährige ist die gute Seele im unteren Backhaus. Am heutigen Montag geht das Fest mit dem Buttenlauf für Kinder und dem Seniorennachmittag weiter.
Die malerische Atmosphäre macht das Erlenbacher Weinfest zu einem Magneten für viele Besucher weit über das Unterland hinaus. (Foto: Andreas Veigel) |